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  • Heiko B. schrieb am 07.02.2018:
    Lorenzo der Prächtige mag durchaus schon bei der Übersetzung des Titels polarisieren. Ich persönlich finde, dass Lorenzo il Magnifico deutlich besser klingt und dem Ambiente des Spiels eher gerecht wird. Darüber hinaus gibt es an dem Spiel kaum etwas auszusetzen, denn es handelt sich hier um eine rundum gelungene Komposition verschiedener Mechanismen, die wieder einmal belegen, dass man das Rad nicht immer neu erfinden muss um ein herausragendes Spiel zu entwickeln.

    In diesem Spiel steckt viel Liebe zum Detail. So haben selbst die Spielertableaus eine aufwendig gestaltete Rückseite bekommen, wo manche Verlage stumpf auf einfarbig setzen. Das macht ein Spiel zweifellos besser oder schlechter, erfreut jedoch den geneigten Freund solcher Spiele.

    Lorenzo ist ein klassisches Arbeitereinsatzspiel (Workerplacement), das mit einem einfachen aber feinen Kniff auskommt und die Arbeiter von Runde zu Runde unterschiedlich stark sein lässt. Dies wird mit einem Würfelwurf zu Beginn jeder Runde und für alle Spieler gleichermaßen bestimmt. Da kann keiner meckern, sollte man zumindest meinen, doch wenn alle 3 Würfelergebnisse niedrig ausfallen wird doch herumgejammert. Immerhin lasse sich Arbeiter mit Hilfe von Dienern aufwerten, die dann allerdings verbraucht sind und abgegeben werden müssen. Leider rennen einem solche Diener nicht gerade den Palazzo ein, daher ist es, wie viele andere auch bei Lorenzo, wohl zu überlegen für was man die hauseigene Dienerschar einsetzen möchte.

    Auf dem Hauptspielplan sehen wir im Wesentlichen 4 Türme auf denen Karten platziert werden. Unterhalb der Türme gibt es 2 Arbeitsbereiche um grüne Waldkarten und gelbe Maschinenkarten zu aktivieren und abhängig von der Anzahl der Spieler haben wir bis zu 4 Dorffelder die ebenfalls Aktionen auslösen.

    Bei den Türmen gilt, je höher eine Karte liegt, desto stärker muss der Arbeiter sein um diese erwerben zu können. Gemeinerweise bekommt man auf diese Art nur grüne Waldkarten kostenlos. Die 3 anderen Kartenarten müssen auch noch erworben werden. Dafür benötigt man u. a. Holz, Stein und Geld oder gar ein Mindestmaß an Militärstärke. Weil das als Hürde noch nicht genügt darf keine Spielerfarbe 2x in einem Turm vertreten sein und wenn sich in einem Turm bereits eine andere Spielerfarbe befindet muss man auch noch 3 Münzen an die Bank abdrücken und natürlich darf in den Türmen jedes Feld nur von 1 Arbeiter (pardon Familienmitglied) belegt sein. Das leuchtet ein, da man in jeder Etage eines Turm nur 1 Karte erwerben kann.

    All diese genügt aber noch nicht, denn die Anzahl der Karten, die man während des Spiels sammeln darf ist auf 6 begrenzt. Während es grüne Karten, wie weiter oben erwähnt, kostenlos gibt, muss man jedoch eine gewisse Militärstärke vorweisen können um mehr als 2 grüne Karten auf seinem Tabelau ablegen zu dürfen. Grds. gilt, dass es sich zum Spielende hin auszahlt, möglichst viele Karten einer oder gar mehrerer Farben zu haben. Zu allem Überdruss funkt in feinster Mittelaltermanier auch noch die Kirche zwischen die Pläne der Spieler und droht nach je 2 Runde mit der Exkommunizierung wenn ein Mindestmaß an Bußfertigkeit nicht erreicht ist, doch selbst wer dieses Mindestmaß erreicht kann eine solche Strafe auch freiwillig aufnhemen, um weiter auf dem Pfad aller Rechtschaffenheit (aus kirchlicher Sicht) zu wandern, was natürlich Siegpunkte bringt. Die Folgen einer Exkommunikation sind variabel und werden beim Spielaufbau zufällig ermitteln. Man weiß also, worauf man sich einlässt, wenn man den kirchlichen Aspekt des Spiels vernachlässigt.

    Als Hilfe in diesem verzickten strategischen Dschungel der Renaissance bekommt jeder im zünftigen Draftmechanismus zu Spielbeginn 4 Karten, von denen reihum 1 ausgewählt und die verbliebenen weitergereicht werden, bis jeder 4 davon auf der Hand hält. Bei diesen ominäsen Karten handelt es sich um wichtige Persönlichkeiten der damaligen Zeit, kurz Anführer genannt. Jeder Anführer bringt verschiedene Voraussetzungen mit, die es zu erfüllen gilt um die Karte ausspielen zu können und natürlich bringt jede Anführerkarte individuelle Vorteile mit sich. Alternativ darf man jederzeit im Spiel eine Anführerkarte abwerfen um sich ein Privileg zu nehmen.

    Das alles mag einen ob der mannigfaltigen Möglichkeiten erschlagen, ist jedoch überraschend eingängig und erschließt sich einem schnell! Ich finde dieses Spiel furchtbar genial, weil die verschiedenen Mechanismen sehr gut ineinander greifen und hervorragend verzahnt sind. Es bietet viel Freiraum für verschiedene Strategien und das ist sehr gut. In meiner Erstpartie habe ich mich auf die Religion gestürzt und konnte allein über die Glaubensleiste 55 Punkte von 82 (Endergebnis) einfahren und lag damit gleichauf mit einem anderen Spieler, der eine völlig andere Strategie gefahren ist. Da ist es fast schon schade, dass ich dann doch einer Tiebreakerregelung unterlag, aber es hat enorm viel Spaß gemacht.

    Einziger Wehrmuttropfen ist ggf. die Spieldauer die mit Anfängern in Richtung 3 Stunden geht. Ich bin mir aber sicher, dass man das mit etwas Routine auf 2h reduzieren kann. Probiert es aus!
    Heiko hat Lorenzo der Prächtige klassifiziert. (ansehen)
  • Christian E. schrieb am 27.09.2018:
    Ein ausgesprochen spannendes Worker-Placement Spiel mit einigen interessanten Neuerungen, die man in dieser Kombination so noch nicht gesehen hat. Ich bin schon ein paar Mal an diesem Spiel vorbeigeschlichen, fand das Design aber nicht so großartig, dass ich es kaufen wollte. Nun hatte ich endlich die Gelegenheit, das Spiel in unserem Club auszuprobieren.
    Ohne das 20. Mal die Mechanismen zu erklären, hier meine Eindrücke:

    Man kommt als Vielspieler sehr schnell in das Spiel hinein und kann auch im 1. Spiel schon recht kompetent mitspielen. Allerdings muss man schon sehr aufpassen, dass man immer alle Zahlungen leistet (ich habe mit 3 Leuten gespielt, die das Spiel gut kannten, und trotzdem hat jeder mindestens 1x etwas vergessen, ohne schummeln zu wollen). Das Spiel geht verhältnismäßig schnell (100 Minuten inkl. Auf- und Abbau und Erklären bei 4 Spielern) und ist fast ohne Downtime.

    Was mir nicht ganz so gut gefällt ist das Design, das mich nicht total abholt. Darüber hinaus fürchte ich, dass man, wenn man das Spiel ein paar Mal gespielt hat, die Karten, die man kaufen kann, vielleicht etwas zu gut kennt. Hier wäre etwas mehr Variabilität schön.

    Insgesamt aber ein Spiel, das ich jederzeit wieder mitspielen würde.
    Christian hat Lorenzo der Prächtige klassifiziert. (ansehen)
  • Peter M. schrieb am 25.04.2018:
    Top spiel anspruchsvoll und vielseitig
  • Stefan B. schrieb am 14.04.2018:
    Bei Lorenzo dem Prächtigen handelt es sich um ein komplexes Kennerspiel, das uns gut gefällt. Zentraler Mechanismus sind drei verschiedenfarbige Gemeinschaftswürfel, die am Rundenanfang geworfen werden und deren Augenzahl die Stärke der Arbeiter aller Mitspieler bestimmen. Nun heißt es klug taktieren und den Arbeiter mit der entsprechenden Stärke zum richtigen Zeitpunkt an den richtigen Ort zu schicken. Der Glücksfaktor beim Würfeln ist dabei zum einen für alle Mitspieler der gleiche, zum anderen kann man die geworfenen Augenzahlen noch mit eigenen Arbeitern erhöhen.
    Stefan hat Lorenzo der Prächtige klassifiziert. (ansehen)

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