"Wie verhext" ist eins dieser schnellen, kurzweiligen Spiele, die für mich zu einem gelungenen Spieleabend dazugehören. Besonders nach einem langen, epischen Strategiespiel ist es ja schön, etwas kurzes und lustiges zu spielen. Genau so ein Spiel ist "Wie verhext". Es dauert ca eine halbe Stunde und sorgt in dieser Zeit für einigen Spaß.
Die Regeln sind schnell erklärt. Das Spiel zu verstehen ist kein Problem - das Spiel in den Griff zu bekommen unter Umständen schon. Hinnter dem zunächst zufällig anmutenden Spielprinzip steckt bei genauerem hinsehen einiges an taktischer Finesse, das gefällt mir sehr gut.
Die Aufmachung des Spiels ist rundum gelungen. Die einzelnen Figuren sind lustig-gruselig gestaltet. Hexen mit Warzen auf der Nase, Diener, die wie Quasimodo aussehen... hier wurde mit viel augenzwinkerndem Humor gearbeitet. Sehr schön! Das Spiel sollte eigentlich an Helloween gespielt werden ;)
Einige Tipps von mir:
Grundsätzlich gilt: Position ist alles. Je später ich nach dem Spieler drankomme, der eine Karte ausspielt, desto besser. Umso geringer ist die Chance, daß einer der Spieler nach mir die gleiche Karte hat. Umso höher ist also die Chance, mit meiner Karte die Aktion zu gewinnen.
Wenn ich direkt nach dem Spieler dran bin, der eine Karte ausgespielt hat, nutze ich fast immer die Gunst, wenn ich diese Karte auch habe. Die Chance, von Spielern in späterer Position ausgestochen zu werden ist bei der Aktion zu groß.
Wenn ich als letzter Spieler in der Reihe dran bin, nutze ich immer die Aktion, wenn ich die ausgespielte Karte auch habe. Selbst dann, wenn ich die Aktion wegen Mangel an Gold oder Zutaten nicht nutzen kann - so bekommt sie wenigstens kein anderer.
Besonders wichtig ist die Auswahl von 5 der 12 Rollenkarten. Hier kann man durch einige Überlegungen deutlich öfter die Aktion gewinnen und sich so Vorteile verschaffen:
- Eine oder mehrere der grünen Karten (Kräutersammler, Schlangenfänger, Wolfshüter) sollte man nur wählen, wenn man die entsprechende Zutat dringend braucht. Hier ist es sinnvoll, auf eine Zutat zu setzen, die alle anderen Spieler haben. So ist die Wahrscheinlichkeit geringer, daß ein anderer Spieler genau die gleiche Karte nimmt. In früher Position sollte man öfter die Gunst nutzen. So bekommt man wenigstens noch eine Zutat und verliert die Aktion nicht.
- Eine oder mehrere der blauen Karten (Hexe, Druide, Zauberer) sollte man nur wählen, wenn man tatsächlich genug Zutaten hat, um den passenden Trank zu brauen. Sonst wird es oft passieren, daß andere Spieler diese Karte ausspielen und man selbst den Trank nicht brauen kann, weil die Zutaten nicht da sind. Zu hoffen, daß man an Zutaten kommt, bevor die blauen Karten gespielt werden, geht öfter schief. Wenn man in früher Position sitzt (also nahe bei dem Spieler, der anfängt), sollte man hier die Gunst nutzen und zusätzlich Gold investieren - sonst geht man unter Umständen leer aus.
- Die Wahrsagerin und/oder den Gehilfen sollte man wählen, wenn man genug Gold hat, um die Aktionen zu nutzen. Gerade die Wahrsagerin sollte man immer wieder mal wählen, die kleinen Tränke können den Unterschied zwischen Sieg und Niederlage ausmachen. Der Gehilfe wird recht häufig von anderen Spieler gewählt.
Wenn man selbst Gold hat und alle anderen Spieler nicht, sollte man eine oder beide dieser Karten wählen - oft ist man der einzige, der sie genommen hat und gewinnt so zwei wertvolle Aktionen.
- Den Alchemisten sollte man wählen, wenn man selbst wenig Gold und mindestens eine Zutat hat. Eine sehr gute Strategie ist es, den Alchemisten zu wählen, wenn alle anderen Spieler viel Gold haben und man selbst wenig. So ist die Chance höher, daß kein anderer Spieler den Alchemisten auf der Hand hat und man selbst die Aktion gewinnt.
- Den Beutelschneider sollte man immer wählen, wenn man viel Gold hat. Selbst wenn man die Aktion wahrscheinlich nicht bekommt, kann man durch die Nutzung der Gunst seinen Verlust in Grenzen halten. Und wenn man die Aktion gewinnt, kann man mit seinem vielen Gold sehr häufig das Regal bekommen.
Wenn man weniger als drei Goldstücke hat, braucht man den Beutelschneider kaum. Man muß onehin kein Gold bezahlen - und selbst, wenn man die Aktion gewinnen würde, reicht das eigene Gold häufig nicht aus, um das Regal zu bekommen.
- Den Bettelmönch sollte man immer wählen, wenn man viele Zutaten hat. Wie beim Beutelschneider kann man entweder über die Gunst seine Verluste begrenzen oder hat über den Gewinn der Aktion die Chance, ein Regal zu bekommen.
Wenn man weniger als vier Zutaten hat, braucht man den Bettelmönch meistens nicht. Man würde keine Zutaten verlieren und könnte sich selbst bei Gewinn der Aktion das Regal kaum leisten.
- Den Hexenmeister sollte man wählen, wenn man den offen ausliegenden Zauberspruch gerne nutzen möchte. In früher Position ist es aber meist sinvoller, die Gunst zu nutzen und lieber das Goldstück mitzunehmen.