Autor: Reiner Knizia
Verlag: Eggertspiele/Pegasus
Spieler: 2 bis 4 ab 8 Jahren
Dauer: 30 bis 45 Minuten
Reiner Knizia ist Mathematiker, und das merkt man (leider) bei fast allen seiner Spiele. Praktisch jedes Spiel hat einen rein abstrakten Mechanismus, der mehr oder weniger geschickt in ein bestimmtes Szenario eingekleidet wird. Aber Spectaculum schießt in der Hinsicht wirklich den Vogel ab. Das Thema ist derart aufgesetzt, dass es fast unverschämt ist.
Das Spiel will uns in die "bunte Welt der Wahrsager und Schlangenbeschwörer" entführen. Nur: Das Spiel hat nichts, aber rein gar nichts mit Gauklern und fahrendem Volk zu tun.
Die Spielidee klingt zunächst ganz reizvoll: Die Spieler können Gauklertrupps in ihre Gunst aufnehmen oder aus ihrer Gunst entlassen. Dann reisen die Gauklertrupps von Dorf zu Dorf über Land. In jedem Dorf steigt oder fällt das Ansehen der jeweiligen Gauklertruppe je nachdem, wie gelungen die Vorführung war. Leider kommt ein entsprechendes Spielgefühl zu keiner Zeit auf.
Die Gauklertrupps werden durch Karten in vier verschiedenen Farben mit mehr oder weniger witzigen Zeichnungen und Texten (z. B. "Die weitsichtige Wahrsagerin") dargestellt. Einen Gauklertrupp in seine Gunst aufzunehmen heißt schlicht, eine Karte aus dem Stapel einer Farbe zu ziehen, was Geld in Höhe des derzeitigen Ansehens des Trupps dieser Farbe kostet. Einen Trupp aus seiner Gunst zu entlassen heißt, eine Karte abzulegen und Geld in Höhe des derzeitigen Ansehens dieses Trupps zu kassieren. Die Gauklertruppen "reisen über Land", indem die Spieler Holzscheiben auf einen abstrakten Spielplan legen. Dabei dürfen Scheiben nur an den Stammsitz des Trupps oder an bereits gelegte, gleichfarbige Scheiben angelegt werden. In jedem Zug zieht jeder Spieler jeweils drei Scheiben zufällig aus einem Beutel, die er im nächsten Zug platziert.
Auf dem Spielplan werden zu Spielbeginn eine Vielzahl von "Dorfplättchen" ausgelegt, die Zahlen von -3 bis +3 tragen und das Ansehen eines Gauklertrupps um den entsprechenden Wert erhöhen oder senken, wenn eine Holzscheibe darauf platziert wird.
Es gewinnt übrigens der Spieler, der am Ende das meiste Geld hat.
BEWERTUNG
Wie gesagt, ist das Szenario mit den Gauklertrupps völlig aufgesetzt. Es hätte genügt, Kartenstapel in vier verschiedenen Farben zu benutzen, zumal die verschiedenen Arten der Gaukler keinerlei Relevanz für das Spiel haben. Es kommt nur auf deren Farbe an. Letztlich geht es lediglich darum, Karten möglichst dann zu kaufen, wenn der Kaufpreis (d. h. das Ansehen des jeweiligen Gauklertrupps) niedrig ist und wieder abzuwerfen, wenn das Ansehen (= der Verkaufserlös) möglichst hoch ist.
So banal das klingt, so belanglos spielt es sich auch. Spannung sucht man hier vergebens. Natürlich wird man versuchen, die Farben, von denen die Gegner viele Karten haben, abzuwerten und eigene Farben aufzuwerten und dann den besten Zeitpunkt für einen Verkauf abzupassen. Das war es aber auch schon. Es fehlt an spannenden Wendungen und interessanten Mechanismen. Daran können auch spezielle Dorfplättchen nichts ändern, die allen Spielern Geld für jede Karte der gleichen Farbe bringen ("Zahltag") oder Geld kosten ("Seuche").
Angesichts dieser Banalität mutet es fast rührend an, wie die Spielanleitung die Dorfplättchen und die damit verbundene Änderung des Ansehens mit blumigen Umschreibungen aufpeppen will. Beispiel gefällig? Beim Plättchen +1 heißt es: "Es ist der Gauklertruppe durch eine tolle Vorstellung gelungen, dem strengen Pfaffen des Orts ein Lächeln zu entlocken. Das Ansehen des Trupps steigt um 1." Nun ja... Während des Spiels ist dies jedenfalls völlig unerheblich. Man nimmt das Plättchen +1 vom Spielplan und rückt den Ansehensmarker um 1 Feld nach oben. Fertig.
Ach ja: Etwas Positives gibt es noch zu berichten: Die Spielzeit ist angenehm kurz, die Regeln sind einfach, das Material ist stabil und ansehnlich.
FAZIT
Spiele werden üblicherweise doch (hoffentlich) so entwickelt, dass sich der Autor ein schönes Szenario einfallen lässt und dann versucht, durch die passenden Mechanismen das Thema möglichst getreu umzusetzen und ein entsprechendes Spielgefühl einzufangen. Ein tolles Beispiel hierfür ist Pergamon (Thema: antike Ausgrabungen und Ausstellungen).
Ganz anders "Spectaculum": Ein völlig abstraktes Spielprinzip wurde auf Biegen und Brechen in ein möglichst reizvoll klingendes Szenario gepresst. Leider wurde das Thema dabei komplett verfehlt. Schade - eine verpasste Chance. Spectaculum wird bei uns nicht mehr oft auf den Tisch kommen. Für mich gerade noch drei Punkte ("befriedigend").
Peter hat Spectaculum klassifiziert.
(ansehen)