Bisher habe ich Ora et Labora ein paarmal solo gespielt (Dauer mindestens gute 2 Stunden), im "kurzen" und "langen" Zwei-Personen-Spiel getestet (Dauer 3 bzw. 4 Stunden) und im 3er-Spiel (gut 3 Stunden).
Agricola und Le Havre von Uwe Rosenberg zählen zu meinen Lieblingsspielen. Das führte bei Ora et Labora nach dem Lesen von Spielberichten und Anschauen von Videos letztendlich zu einem Blindkauf. Der Mechanismus Rohstoffe über das Rondell zu verteilen klang innovativ und auch so, dass es sich dadurch noch einmal von den anderen beiden oben genannten Spielen abheben würde.
Packt man das Spielmaterial aus, stößt man zunächst auf einige Stanzbögen, aus denen die Plättchen herauszudrücken sind. Ist dies erledigt, steht man vor einem Plättchenberg, der irgendwie sinnvoll einsortiert werden sollte. Abhilfe schafft hier z.B. eine Baumarkt-Box (am besten schon vor dem Auspöppeln anschaffen).
Auch ich hatte mehrere Bögen, die nicht sauber ausgestanzt waren, aber Lookout schickte unmittelbar Ersatz, nachdem die neuen verfügbar waren.
Im Vergleich zu Agricola oder Le Havre sind die Spielertableaus und Landschaftsteile sehr dünn. Die Spielübersicht ist sehr hilfreich, allerdings nur aus bedrucktem Papier, das ich gleich mal durch mein Laminiergerät geschoben habe, um es haltbar zu machen. Qualitativ sammelt das Spielmaterial nicht unbedingt Pluspunkte bei mir.
Ebenso habe ich alle Karten zum Schutz mit Hüllen versehen.
Die Spielregel ist üebrsichtlich in mehrere Beiblätter gegliedert: Spielaufbau, Ausführliche Beschreibung der Gebäudefunktionen, Übersicht über die Grundregeln, Ausführliche Anleitung.
Vor allem wenn man Le Havre kennt, gelingt der Einstieg in das Spiel recht schnell, denn auch hier geht es vor allem um den Aufbau von effektiven Produktionsketten.
Diesmal ist das ganze eingebettet in das Thema Entwicklung eines mittelalterlichen Klosters.
Interessant ist, dass die Gebäude auf die Frankreich- bzw. Irland-Variante gedreht werden können und sich dadurch manche Waren/ Gebäude leicht verändern (z.B. durch Whiskey oder Wein). Je nach Spieleranzahl und gewählter Version (kurz, lang) sind ebenso mehr oder weniger Gebäude im Spiel. So wird man sicher einige Zeit benötigen, um alles ausprobiert zu haben. Wir haben bisher nur Irland ausprobiert.
Im folgenden Teil werde ich mal meine bisherigen Eindrücke zusammenfassen, dabei bedeutet:
+: Gefällt mir, innovativ
o: Na ja, weiß noch nicht, bin unschlüssig
-: Gefällt mir nicht, hätte besser sein können
+ Gut aufgebaute, ausführliche Spielregel
+ Rohstoff-Rondell
+ Ausbau des Gebiets durch Kauf von Landschaftsplättchen möglich: Manche Gebäude dürfen nur auf bestimmten Landschaftsformen gebaut werden wie z.B. Küste oder Hang.
+ Durch Anlegen von Gebieten kommt man immer wieder zu neuen Moor- bzw. Waldfeldern, die wieder genutzt werden können (ähnlich zu den Agricola-Moorbauern).
+ Siedlungswertungen als neues Element: Man muss von Anfang an aufpassen, wie man die Gebäude gewinnbringend baut. Es zeigte sich bisher in unseren Partien, dass dies vor allem ausschlaggebend für den Sieg ist.
o Komplexität der Produktionsketten vor allem in den ersten Spielen (Ich würde das Spiel nur mit neuen Spielern ausprobieren, die mit mir schon einige Male mit Spaß Le Havre gespielt haben.)
o Übersichtlichkeit im Spiel: Die Gebäudekarten sind noch etwas kleiner als bei Le Havre und enthalten vor allem noch mehr Infos auf der Karte. Da die Gebäude bei den Spielern auf den Tableaus liegen, muss man sich schon anstrengen, um alles zu sehen und den Überblick zu behalten.
o Es gibt kein Zufallselement: Im Prinzip kann alles bis ins Detail optimiert werden, mit Grüblern am Tisch kann das Spiel daher sicher dann anstrengend werden.
o Spieldauer: Es kann durchaus abendfüllend werden - bisher waren alle Partien spannend; der Widerspielreiz ist durchaus vorhanden.
- Qualität des Materials: Landschaftskarten, Spielerübersicht nach meinem Geschmack zu dünn; sonst ok
Fazit:
Mir gefällt das Spiel nach den ersten Partien sehr gut.
Es hebt sich auch noch einmal genügend von Agricola und vor allem Le Havre ab, so dass es auf Dauer einen berechtigten Platz in meinem Spieleregal haben wird.
Als Solospiel ist Ora et Labora empfehlenswert und sehr herausfordernd.
Abzüge in der Note gibt es für mich vor allem wegen der teilweise unbefriedigenden Material-Qualität.
Spielern, denen Le Havre gefällt und die nun nach neuen, noch schwierigeren Herausforderungen suchen, sei Ora et Labora ans Herz gelegt. Alle anderen sollten vielleicht dieses hier erst einmal vor dem Kauf testen oder sogar zunächst Le Havre ausprobieren (Anmerkung: Le Havre hat natürlich ein anderes Thema und auch etwas andere Mechanismen - aber die "Verwandtschaft" ist schon gegeben).
Martina hat Ora et Labora klassifiziert.
(ansehen)