Das Spiel ist aufgrund seines einfachen und simplen Mechanismus eigentlich ein reines Familienspiel, wäre da nicht die Thematik. Diese lässt eigentlich ein Freak-Spiel für Vielspieler vermuten; aber dafür ist das Spiel viel zu einfach und vor allem viel zu glückslastig. Und so weis ich nicht so recht, was ich mit diesem Spiel anfangen soll! Falsche Thematik als Familienspiel, falscher Mechanismus als Vielspielerspiel.
Es geht in dem Spiel darum, Menschen bei havarierenden Atomkraftwerken zu retten. Dazu stehen einem 20 eigene Pöppel zur Verfügung, die auf einem variablem Spielfeld auf entsprechenden Markierungen zu plazieren sind. Beim Aufbau des Spielfeldes ist zu beachten, dass die beiden Flughäfen (als rettende Inseln) nicht in unmittelbarer Nachbarschaft liegen. Aufgabe ist nun, bei sich ständig erhöhendem Strahlungsaustritt möglichst viele der 20 Menschen mit drei zur Verfügung stehenden Fahrzeugen rauszuholen und auf die rettenden Flughäfen zu transportieren. Da gibt es zum einen den Bus, der 2 Felder pro Spielzug ziehen darf und vier Menschen aufnehmen kann, zum anderen der PKW, der zwar 3 Felder ziehen kann aber nur 3 Menschen aufnimmt und ein Hubschrauber, der wiederum zwar nur 2 Menschen aufnehmen kann, dafür aber pro Spielzug 4 Felder zieht. Pro Spielabschnitt wird per Würfelwurf (W8) ausgewürfelt, welches der 7 Atomkraftwerke auf dem Spielplan havariert und welches eventuell repariert wird. Pro Würfelwurf darf ein Fahrzeug in Bewegung gesetzt werden, um Menschen zu retten. Je nach Strahlungsaustritt werden dann entsprechend viele Felder in der Umgebung der AKW´s verstrahlt und verletzt oder tötet gar meine Pöppel. Hier müssen zum Teil richtig makabere Entscheidungen getroffen werden. Ziehe ich mit meinem Bus in die Nähe es AKW, weil dort noch ein Mensch liegt und ich noch einen Platz im Bus habe, oder entscheide ich mich dagegen, um die anderen im Bus nicht zu gefährden.
Damit wir uns nicht falsch verstehen: Ich bin kein Moralist und will das auch überhaupt nicht negativ bewerten. Aber aufgrund des Spielmechanismus wäre dies ja ein Familienspiel und müsste eigentlich problemlos mit Kindern gespielt werden können. Aber solche Entscheidungen (Menschen absichtlich in der Gefahrenzone zurücklassen und opfern, um andere zu retten) möchte ich Kindern eigentlich nicht zumuten. Wäre das Spiel ein Vielspielerspiel, hätte ich überhaupt kein Problem damit (ich möchte auch keine neue Debatte ala´ "Puerto Rico" aufmachen). Da aber das Spiel für Vielspieler aufgrund seiner Einfachheit und aufgrund des hohen Glücksfaktors (der Würfel entscheidet, welches AKW havariert und dies führt meist zu dem Gefühl, gespielt zu werden) auf Dauer ziemlich unattraktiv sein dürfte, könnte es ja nur für die Zielgruppe Familie konzipiert sein, und dafür halte ich das Spiel aus oben genannten Gründen für nicht unbedingt geeignet.
Ich hab auch noch ein weiteres Problem: Ich bin zwar (seit nunmehr über 30 Jahren) ein leidenschaftlicher Atomkraftgegner, aber dass in unmittelbarer Umgebung gleich 7 AKW´s fast zeitgleich havarieren, das halte ich sogar weltweit für ausgeschlossen. Von daher ist die Thematik des Spiels auch noch recht unglaubwürdig.
Wie gesagt: Für mich als Vielspieler hat das Spiel mal kurz den Reiz des Neuem, der sich aber aufgrund des hohen nicht beeinflussbaren Glücksfaktors recht schnell verflüchtigt. Der Einstieg ist ganz leicht, die Regeln sind simpel. Ein bis zwei Spiele machen dann durchaus auch mal Spaß. Aber spätestens, wenn man anfängt, ernsthafte Strategien zu entwickeln, merkt man schnell, dass man es selber aufgrund der Glücksfaktoren nicht in der Hand hat, wieviele Menschen man rettet. Mal sind es vielleicht 16 oder 17 und ein anderes Mal mit der gleichen Strategie nur 12. Schade, denn eigentlich ist die Idee keine schlechte und da hätte man ein verdammt gutes Vielspielerspiel draus machen können. Leider nur drei Punkte!
Matthias hat Meltdown 2020 klassifiziert.
(ansehen)