Mit diesem Spiel hatte ich schon länger geliebäugelt, aber mir war es immer zu teuer für einen Blindkauf. Wie gut, dass es nun den Spiele-Verleih hier gibt. :-)
Gestern wurde es dann von uns in einer Zweier-Partie getestet, nachdem ich mich zuvor lange und intensiv mit der Spielregel befasst hatte. Aber fangen wir vorne an...
Auf den ersten Blick löst die Ausstattung des Spiels wirklich Begeisterung aus:
Es gibt verschieden geformte Schiffsminiaturen für jeden Spieler, Schatztruhen, einen grafisch sehr schön und zugleich übersichtlich gestalteten Spielplan, ebenso die Tableaus, die Marker und die Goldmünzen. Man hat gleich Lust loszuspielen.
Doch so schnell gelingt dies leider nicht, denn die Spielregeln sind umfangreich und Details müssen während des Spiels zunächst immer wieder nachgeschlagen werden.
Um die Komplexität zu veranschaulichen: Jeder Spieler erhält eine zweiseitige Übersichtstafel mit viel Text in der Größe der Schachtel, die auch wirklich benötigt wird!
Gewonnen hat natürlich am Ende der ruhmreichste Pirat (es gibt verschiedene Endbedingungen, aber es geht letztendlich wie so oft um die meisten Ruhmpunkte).
Prinzipiell hat jeder Spieler in seinem Zug nach dem Ziehen einer Ereigniskarte 3 Bewegungspunkte, die er wie folgt ausführen kann:
- Bewegung in eine andere Meereszone, in einen Hafen hinein, aus einem Hafen heraus
- Hafenaktionen
- Ein Schiff in der gleichen Meereszone sichten und evt. bekämpfen
Klingt noch einfach, oder? Was ist jetzt daran komplex?
- Ereigniskarte: Lösen vor allem aus, dass zusätzliche Schiffe (Piraten- und Marineschiffe), die keinem Spieler zugewiesen sind, auf den Spielplan kommen oder sich nach bestimmten Regeln über den Plan bewegen.
- Bewegung: Es gilt hier zu beachten, welche Besonderheit in der jeweiligen Meereszone gilt. Sind mehrere Schiffe in einer Meereszone, kann es unmittelbar zu Kämpfen kommen.
- Hafen: Im Hafen hat man die meisten Möglichkeiten, es dürfen zahlreiche Aktionen hintereinander ausgeführt werden: z.B. Waren verkaufen, Waren kaufen, Gerüchte aufschnappen, Schiffe kaufen, Schiffsteile kaufen oder reparieren, Schiffe verkaufen, u.s.w.
- Kämpfe: Neben den Spielern bewegen sich mit zunehmender Dauer auch immer mehr Nichtspieler-Schiffe (NSCs) auf dem Plan. Dies kann mehr oder weniger gewollt zu Kampfsituationen führen. Diese Kämpfe werden in mehreren Würfelrunden ausgefochten. Das genaue Prinzip zu erklären, würde hier sicher jeglichen Rahmen sprengen. Die Spielregel widmet sich diesem Thema ausführlich, aber leider für meinen Geschmack nicht immer auf Anhieb verständlich oder übersichtlich. Vor dem ersten Spiel sollte sich deshalb hier jemand unbedingt eingelesen haben, denn wenn man hier noch ewig nachlesen muss, wie es denn jetzt funktioniert, kann es sicher schnell nervig für alle Beteiligten werden.
Gesamturteil:
Diese Rezension ist sicher mehr ein Ersteindruck des Spiels, aber ich muss sagen, dass ich nach deutlich über 3 Stunden Spieldauer zu zweit einfach genügend andere Spiele im Schrank habe, die ich leider im Vergleich deutlich besser finde. Da kann auch die bestechende Aufmachung nicht darüber hinwegtäuschen.
Positiv ist absolut zu vermerken, dass das Thema „Piraten“ hier wunderbar mit vielen tollen Ideen umgesetzt wurde. Empfehlenswert ist es definitiv für einen Spieleabend „Piraten, Schiffe und Meer“, dazu passende Musik, Getränke,... Aber es wäre bei mir eben eher ein Spiel genau für EINEN solchen Abend, ich muss es nicht regelmäßig spielen. Hätte ich mir das Spiel gekauft, wäre es sicher danach eher im Schrank angestaubt.
Warum dieser Eindruck?
Viel entscheidet sich im Spiel schlichtuntergreifend durch Würfelglück: Fast jede Aktion, die ein Spieler durchführt, ist an einen Wurf gebunden, der mehr oder weniger erfolgrich sein kann. Hat man selbst Pech, kann man nur zuschauen, wie die Mitspieler Geld und Ruhmespunkte scheffeln.
An sich finde ich einen gewissen Glücksfaktor bei Spielen auch gar nicht tragisch, aber hier hinterlässt es ein seltsames Spielgefühl: Das liegt vor allem an dem zugleich umfangreichen Regelkatalog und der Fülle der möglichen abzuarbeitenden Aktionen (die nicht immer unbedingt direkt eingängig sind und erst einmal verinnerlicht werden müssen). Beides frisst zusammen immens viel Zeit und der Zug eines Spielers kann so anfangs locker mal 5 Minuten oder mehr dauern. Ich würde insgesamt 4 Punkte vergeben, also guter Durchschnitt. Aber es hätte mich für mehr Punkte einfach mehr begeistern müssen. So hatten wir einen netten Spielenachmittag bzw. -abend mit den Korsaren, die wir nächste Woche aber wieder auf die Heimreise schicken werden.
Martina hat Korsaren der Karibik klassifiziert.
(ansehen)